Plagiatssoftware – effizient oder unbrauchbar? Ein Brainstorming über gegensätzliche Ansichten

Das Wissenschaftsplagiat zeichnet sich dadurch aus, dass die im Text verwendeten Quellen nicht oder nicht korrekt angegeben sind. "Copy & Paste" und "Shake & Paste" gehören zu den gängigsten Plagiatsarten, ebenso wie Übersetzungsplagiate, Textverschleierung sowie strukturelle Plagiate. Am Markt gibt es eine Vielfalt an Software, die verspricht, Textplagiate aufzudecken. Doch wie nützlich ist diese Software wirklich?

Plagiarism software – efficient or unusable? A brainstorming on opposing views

Plagiate zählen zu den größten Problemen in der Hochschulbildung. Dies liegt daran, dass einige sich dafür entscheiden, auf dem Weg zur Erlangung eines Abschlusses eine Abkürzung zu nehmen, doch die Folgen können schwerwiegend sein. In manchen Fällen kann ein Plagiat das Ergebnis von Nachlässsigkeit, falscher Zitation oder Stress sein. Um dem vorzubeugen, findet Plagiatserkennungssoftware zunehmende Verwendung. Der Hauptzweck von Plagiatssoftware besteht darin, diejenigen Stellen eines Textes freizulegen und herauszustellen, die ein Plagiat darstellen. Allerdings fallen die Reaktionen unterschiedlich aus. Während manche Plagiatssoftware für ein hilfreiches Instrument halten, glauben andere nicht an ihre Leistungsfähigkeit. In diesem Artikel wird Plagiatserkennungssoftware hinschtlich ihrer tatsächlichen Funktionsfähigkeit erörtert.

 

Wissenschaftsplagiate als Bedrohung der akademischen Integrität: Arten von Plagiaten

Wissenschaftsplagiate[1] lassen sich durch ein gemeinsames Merkmal bestimmen – die Quellen, aus denen die Informationen stammen, fehlen entweder vollständig oder wurden falsch angegeben. Sie sind in der Regel das Ergebnis eines Abkürzungsverfahrens, um mehr Publikationen unter dem eigenen Namen anzusammeln und schneller Erfolg zu erzielen. Das Problem mit Wissenschaftsplagiaten liegt darin, dass es sich um eine Handlung wissenschaftlicher Unaufrichtigkeit handelt. Der Autor täuscht den Leser gewollt oder ungewollt in Bezug auf die Quelle der aufgeführten Informationen. Hinzu kommt, dass die Beschäftigungsmöglichkeiten, Beförderungen und finanziellen Förderungen innerhalb der Wissenschaft begrenzt sind, weshalb Plagiatoren im Grunde ehrlichen Forschern etwas wegnehmen können.

Es gibt viele verschiedene Arten und Formen des Wissnschaftsplagiats. Ob versehentlich oder bewusst, Plagiate sind ein wissenschaftliches Vergehen. Je nach Art kann man sie schwer oder leicht erkennen. Im Fortgang betrachten wir die Arten des Wissenschaftsplagiats näher, um zu verstehen und zu erfahren, worauf man achten muss.

  • Copy & Paste

Die vielleicht offenkundigste und am leichtesten zu erkennende Art des Wissenschaftsplagiats ist das Copy-&-Paste-Verfahren. Wie der Name schon andeutet, werden ganze Passagen in den Text kopiert, ohne die Quelle anzugeben. Das Internet liefert Zugang zu zahlreichen Informationen, was es für Studierende leichter gemacht hat, durch Plagiate zu betrügen. Copy & Paste ist eine ziemlich faule und nachlässige Methode, Informationen zu stehlen. Im Vergleich zu anderen Formen des Plagiats ist es sehr offensichtlich und erfordert nicht viel Mühe und Kreativität seitens des Plagiatoren.

  • Shake & Paste

Shake & Paste ähnelt dem Copyy & Paste, aber anstatt ganze Abschnitte aus einer einzelnen Quelle zu verwenden, nimmt der Plagiator Sätze und Passagen aus unterschiedlichen Quellen und verbindet sie so, dass ein zusammenhängender Text entsteht. Jedoch ist das Ergebnis nicht immer ein gut organisierter Text, insbesondere wenn der Plagiator nicht sehr genau ist.

  • Übersetzungsplagiat

Wenn jemand eine Quelle in einer anderen Sprache verwendet und die Informationen entweder manuell oder mittels Übersetzungssoftware ohne aAgabe des ursprünglichen Autors übersetzt, dann liegt ein Übersetzungsplagiat vor. Je nach Qualität der Übersetzung kann das Plagiat schwer zu entlarven sein.

  • Textverschleierung

Textverschleierung ist eine unscheinbarere Methode, Informationen zu plagiieren, da sie den Gebrauch von Synonymen einschließt, um Wörter im Originaltext zu ersetzen. Es gibt Programme, die eine Textverschleierung durch das Ersetzen gewisser Wörter und Phrasen mit ihren Synonymen möglich machen. Hierbei ist das Ergebnis jedoch oftmals ein zwar verständlicher, aber schecht strukturierter Text. Im Falle manueller Textverschleierung paraphrasiert man und ändert die syntaktischen Strukturen, ohne zu Originalquelle anzugeben.

  • Strukturelles Plagiat

Ein strukturelles Plagiat ist häufig sehr schwer zu erkennen, da hierbei insofern die Struktur und Gedanken einer anderen Personen Verwendung finden, als der Aufbau der Ursprungsquelle übernommen wird. Das strukturelle Plagiat konzentriert sich mehr auf die Gedanken als auf die Sprache, um diese auszudrücken.

  • Verschleiertes Plagiat

Ein verschleiertes Plagiat ist eine weitere Plagiatsform, die nicht leicht zu entdecken ist. Studierende verwechseln sie oft mit Paraphrasieren, weshalb sie in manchen Fällen versehentlich vorkommt. Wenn aber Teile des Quellentextes modifiziert und umstrukturiert werden, ohne die Herkunft zu erwähnen, dann liegt unbestreitbar ein Plagiat vor, ganz gleich, ob es sich um einen Fall schwacher Umschreibungskompetenz oder bewussten Diebstahls von Gedanken handelt.

Die vielen Arten und Formen von Wissenschaftsplagiaten enden nicht mit den bekanntesten. Obgleich manche ziemlich offenkundig sind, können andere schwierig zu erkennen sein. Dies bringt Plagiatserkennungssoftware in eine kontroverse Lage. Zwar wird der Umfang, in dem sie Plagiate erkennen können, sowohl von Professoren als auch Studierenden häufig angezweifelt, aber dennoch erfreuen sich derartige Dienstleistungen eines großen Erfolges. Mithin steht ihre tatsächliche Nützlichkeit zur Debatte.

 

Der Algorithmus von Plagiatssoftware

Bevor die Leistungsfähigkeit von Plagiatserkennungssoftware erörtert wird, ist es erforderlich, zu verstehen, wie sie funktioniert. Zwar gibt es einige variable Spezifikationen, doch die Basis ist die gleiche bei jeder Software.

Im Kern funktioniert Plagiatssoftware so, dass ein Text in Phrasen und Abschnitte unterteilt und das Web nach potenziellen Übereinstimmungen abgeglichen wird. Die meisten Plagiatserkennungsinstrumente stützen sich im Wesentlichen auf Suchmaschinen, um Ergebnisse zu liefern. Nachdem das hochgeladene Dokument abgetastet wurde, stellen sie die Plagiatsstellen heraus und errechnen, wie viel Prozent davon nicht original sind.

Schaut man sich den Algorithmus von Plagiatssoftware näher an, tritt noch mehr zutage. Es gibt einige Erkennungssysteme, die die Software effizient machen.

 

Die Fingerabruck-Methode

Die Fingerabdruck-Methode ist vielleicht die in Plagiatssoftware am häufigsten verwendete. Sie funktioniert so, dass eine große Datei in eine Zeichenfolge mit vielen Unterzeichenfolgen konvertiert wird (in der Regel gewährleistet eine höhere Anzahl an Unterzeichenfolgen höhere Genauigkeit bei den Ergebnissen), die man als “Fingerabdrücke” bezeichnet. Der Algorithmus sucht dann nach potenziellen Übereinstimmungen und Ähnlichkeiten in anderen Webseiten und Dateien. Falls Übereinstimmungen gefunden werden, ist das ein Hinweis für ein Plagiat.

 

String-Matching

Eine weiteres gängiges Verfahren ist das String-Matching. Bei diesem Ansatz werden wiederholt Abschnitte aus einem Text entnommen und nach Übereinstimmungen in anderen Texten gesucht. Das String-Matching beruht überwiegend auf einem Vergleich von Dokumenten, deshalb muss für eine wirksame Anwendung dieses Verfahrens eine große Datenbank vorhanden sein. In manchen Fällen werden zwecks genauester Ergebnisse die Fingerabdruck-Methode und das String-Matching miteinander kombiniert – Erstere wird verwendet, um Millionen von Dokumenten zu scannen, Letztere kommt zum Tragen, wenn es potenzielle Übereinstimmungen gibt, die identifiziert werden müssen.

 

Zitationserkennung

Die Zitationserkennung analysiert Zitationsmuster und Quellenangaben im Text und vergleicht diese mit ähnlichen Zitationsabfolgen in anderen Texten. Es handelt sich um ein gutes Verfahren für wissenschaftliche Dokumente, da Plagiatoren häufig Zitationen aus einer Quelle übernehmen, selbst wenn der Inhalt vollständig umgeschrieben wurde.

Weitere, nicht so bekannte Plagiatserkennungsansätze umfassen die Stilometrie – ein statistischer Vergleich zwischen Schreibstilen – und das Vektorraum-Retrieval – die Identifikation von Übereinstimmungen durch Informationsfilterung. Tatsächlich haben alle Verfahren ihre Stärken und Schwächen. Es gibt kein universelles Verfahren, das sämtliche Arten von Plagiaten erkennen kann; vielmehr funktionieren bestimmte Ansätze bei bestimmten Arten von Plagiaten.

 

Ein kritischer Blick auf Plagiatserkennungssoftware

Trotz der zahlreichen Vorzüge von Plagiatsprüfern (siehe unten) begegnet man ihnen auch mit einer gewissen Skepsis. Selbstverständlich können sie keine hundertprozentige Garantie der Plagiatserkennung abgeben, aber einige stellen in Frage, ob sie überhaupt zuverlässig sind. So wurden einige Fälle von Fehlergebnissen berichtet. Vorfälle sind eingetreten, bei denen die Plagiatserkennungssoftware falsch-negative Ergebnisse – wo also kein Plagiat bestand oder weniger Plagiatsstellen vorhanden waren als erkannt wurde – oder falsch-positive Ergebnisse geliefert hat, wenn also eine große Anzahl an Plagiatsstellen wegen gebräuchlicher Wörter und Wortgruppen angezeigt wird, obwohl der Inhalt tatsächlich originär ist. Derartige Ergebnisse laufen dem Zweck von Plagiatssoftware zuwider, weil sie nicht nur ungenau sind, sondern auch auch zu Schwierigkeiten für den Autor des Textes führen können. Ein Problem besteht darin, dass es zahlreiche kostenfreie und billige Plagiatsprüfer gibt, die keine genauen Ergebnisse liefern.

Andererseits bestimmt der Preis von Plagiatserkennungsdienstleistungen nicht die Zuverlässigkeit der Ergebnisse. Der vielleicht wichtigste Einflussfaktor hinsichtlich der Ergebnisse einer Plagiatsprüfung ist die Leistungsfähigkeit der Suchmaschine, von der die Software Gebrauch macht. Häufig kommt es vor, dass sich die Ergebnisse zwischen den einzelnen Plagiatsscans unterscheiden, einfach schon wegen der Suchmaschinenergebnisse zu einem bestimmten Zeitpunkt. Das bedeutet nicht, dass die Plagiatssoftware ungenau ist; vielmehr hängt die Genauigkeit in großem Maße von den Ergebnissen der Suchmaschine ab. Tatsächlich ist es für eine Plagiatssoftware nicht möglich, alles zu erkennen, da selbst Suchmaschinen ihre Grenzen haben. Wenn eine Suche begonnen wird, dann filtern Suchmaschinen die Ergebnisse, um eine bestmögliche Übereinstimmung mit den Suchwörtern zu erzielen. Anschließend ordnen sie Webseiten nach ihrer Relevanz und Beliebtheit ein. Plagiatssoftware kann nicht alle möglichen Ergebnisse im Internet abgleichen, sondern eher diejenigen, die die Suchmaschine als die genauesten herausgefiltert hat.

Bei der Erörterung der Zuverlässigkeit von Plagiatserkennungssoftware sollte berücksichtigt werden, dass keine Software Zugang zu sämtlichen Quellen weltweit besitzt. So ist es durchaus möglich, dass eine Suche zum selben Dokument zwei verschiedene Ergebnisse mit sich bringt. Insgesamt bestehen viele Faktoren, die die Leistungsfähigkeit der Software beeinflussen.

Mitglieder der Conference on College Composition and Communication in den Vereinigten Staaten haben ihr Missfallen gegenüber Plagiatserkennungssoftware zum Ausdruck gebracht. Einigen Professoren zufolge entmutigen positive Anzeichen von Plagiat Studierende vom Schreiben und tragen stattdessen dazu bei, dass sie sich wie Kriminelle fühlen. Dies könnte sich im Falle der falsch-positiven Ergebnisse als äußerst schädlich erweisen. Die Conference on College Composition and Communication ist zudem der Auffassung, dass Hochschulprofessoren, die sich darauf verlassen, dass die Plagiatssoftware ihre Arbeit macht, übertriebenen Gebrauch davon machen können. Anstelle manueller Prüfungen greifen sie auf eine Plagiatserkennungssoftware zurück. Als Mittel zur Reduzierung von Plagiaten wird vorgeschlagen, zu gewählreisten, dass Studierende spezifischere und personalisiertere Aufgaben erhalten; dass Professoren mit ihnen nenger zusammenarbeiten und dass Fristen verlängert werden.

Demgegenüber ist jedoch einzuwenden, dass bei einem klugen und bewussten Gebrauch eine Plagiatssoftware durchaus eine Reihe von Vorteilen zu bieten hat.

 

Vorteile von Plagiatssoftware: ein hilfreiches Instrument gegen Wissenschaftsbetrug

Die Folgen des Plagiats einer wissenschaftlichen Arbeit können sehr schwerwiegend sein – von einem Hochschulverweis über Bußgelder bis hin zu einer Gefängnisstrafe. Die Verwendung von Plagiatserkennungssoftware kann zur Vermeidung solcher Konsequenzen beitragen.

 

Einer der größten Vorteile von Plagiatsprüfern[2] besteht darin, dass sie im Vergleich zu individuellen Online-Suchen eine größere Datenbasis zur Verfügung und Zugang zu mehr Quellen haben. Plagiatsprüfung ist eine schnelle Dienstleistung, die Ergebnisse innerhalb von Minuten liefert – eine manuele Suche würde bei längeren Texten Stunden, wenn nicht Tage dauern. Das Praktische an Plagiatsprüfern ist, dass sie eine Prozentangabe von den Plagiatsstellen machen und die relevanten Stellen genau herausstellen. Zudem liefern sie die Links zu den Webseiten, die mit dem betreffenden Text übereinstimmen. Das heißt, dass man nicht nur den Text entsprechend ändern kann, um ein Plagiat zu vermeiden, sondern darüber hinaus auf neue Quellen aufmerksam gemacht wird. Ein weiterer Vorzug von Plagiatssoftware ist, dass sie wegen der genauen Angabe der Plagiatsstellen im Text die Möglichkeit bietet, diese umzuschreiben. Dies trägt dazu bei, dass man sich an die Regeln und akademischen Standards hält.

 

Überdies stellen Plagiatsprüfungsanbieter in der Regel Echtheitszertifikate[3] aus, die man nutzen kann, um die Qualität des Textes nachzuweisen. So kann man beim Einreichen der Arbeit einfach das Zertifikat beifügen und bescheinigen, dass die Arbeit einer Pagiatsprüfung unterzogen wurde.

 

Plagiatssoftware hat sich für Studierende wie Hochschulen als ein mächtiges Werkzeug bei der Erkennung von Plagiaten erwiesen. Da Plagiate sich zu einem größeren Problem im akademischen Bereich entwickelt haben, haben zahlreiche Hochschulen ihre eigene Software eingeführt, die Zugang zu einer internen Datenbank hat, welche auch frühere Studienarbeiten umfasst, die Studierende eingereicht haben.

 

Das Urteil: Wie zuverlässig ist eine Plagiatssoftware?

Trotz Zweifel mancher Hochschukprofessoren ist Plagiatserkennungssoftware sehr erfolgreich. Sie verspricht in der Regel fundierte Suchprozesse, schnelle Ergebnisse und den Nachweis, dass die Arbeit kein Plagiat ist. Doch in Wirklichkeit ist die Sache nicht so einfach.

Plagiatssoftware kann nur so viel tun, wie sie angesichts ihres Algorithmus in der Lage ist. Ganz gleich, wie stark der Algorithmus ist, ist es möglich, dass sie etwas auslässt. Dies wirft die Frage auf, was eine optimale Plagiatserkennungsmethode ausmacht.

Die beste Lösung besteht in jedem Fall darin, dass man in erster Linie seinen eigenen Verstand gebraucht. Konzentration und Achtsamkeit bei der Arbeit am Projekt gewährleistet, dass man kein Plagiat begeht oder inkorrekt zitiert. Eine manuelle Suche ist wesentlich für den Erfolg der Arbeit. In Kombination damit ist Plagiatssoftware eine sehr mächtige Waffe gegen akademische Unaufrichtigkeit. Die Verwendung von Plagiatssoftware alleine oder nur eine manuelle Suche wäre unzureichend, aber die Inanspruchnahme eines Systems, das beides integriert, ist die optimale Lösung. Wichtig ist, sich beim Schreiben bewusst Mühe zu geben, ein Plagiat zu vermeiden und nach Projektabschluss eine Plagiatserkennngssoftware zu nutzen. Festzuhalten ist, dass Plagiatssoftware in der Tat ein großartiges Instrument sein kann, aber die besten Chancen auf Vermeidung eines Plagiats erhält man, wenn man ergänzend eine manuelle Suche vornimmt.

 


 


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