Gefälscht wurde schon immer! Ein historischer Abriss aus dem Kabinett der Wissenschaftsplagiatoren und -fälscher

Plagiate zielen darauf ab, die Öffentlichkeit über die eigenen wissenschaftlichen Leistungen zu täuschen. Zudem erzeugen Plagiate den Verlust akademischer Integrität. Statistisch gesehen missachten im Durchschnitt weniger als zehn Prozent aller Akademiker die wissenschaftlichen Standards. Aber selbst diese kleine Anzahl ruiniert den Ruf der Wissenschaft. Plagiate in der Wissenschaft sind keine moderne Erscheinung. Seit eh und je besteht in der Wissenschaft eine Kultur des Kopierens. Im Folgenden werden einige der schlimmsten Wissenschaftsplagiatoren und -fälscher der Geschichte und jüngeren Vergangenheit präsentiert.

There has always been forgery! A historical outline of the cabinet of scientific plagiarizers and forgers

Der Hauptzweck von Plagiaten besteht darin, die Öffentlichkeit dahingehend zu täuschen, dass der Eindruck ensteht, ursprüngliche Gedanken zu präsentieren, obwohl diese tatsächlich aus anderen Quellen entnommen sind, welche nicht ordnungsgemäß angegeben werden. Spricht man von Plagiaten, so denkt man häufig an Studierende, und das ist auch nicht überraschend, da selbst Statistiken belegen, dass die Mehrheit der Studierenden anfällig dafür sind, bei ihren schriftlichen Studienarbeiten zu betrügen. Laut einer Studie des International Center for Academic Integrity und Dr. Donald McCabe haben sich mehr als 60% der Studierenden zum Plagiat bekannt, eine wahrlich erhellende Statistik, die zeigt, wie wichtig es ist, der heutigen Generation ethische Standards beizubringen, um akademische Integrität zu wahren.

Andererseits scheinen diejenigen, die akademische Ehrlichkeit fördern sollen, darunter Professoren, Akademiker, Forscher und Wissenschaftler, ebenfalls zum Teil in wissenschaftliches Fehlverhalten verwickelt zu sein, insofern sie gegen die allgemeinen wissenschaftlichen Verhaltenskodizes verstoßen und ein unethisches Betragen bei ihren Publikationen zum Ausdruck bringen. Zahlreiche Beispiele, von denen wir einige in diesem Artikel erörtern werden, zeigen, wie einige kluge Köpfe in der Gesellschaft die Lorbeeren einheimsen für Entdeckungen, die tatsächlich von anderen Personen gemacht wurden. Warum aber sind diese Personen, die als gesellschaftliche Vorbilder fungieren sollen, in strafbaren und trügerischen Handlungen verwickelt beziehungsweise mehr noch: ermutigen sie ein solches Verhalten? Die Motive hinter Plagiaten in den Wissenschaften sind vielfltig und unterscheiden sich je nach persönlicher Wahrnehmung. Im Fortgang erörtern wir die häufigsten Gründe, aus denen Personen sich eines wissenschaftlichen Fehlverhaltens schuldig machen.

  • Akademischer Grad und Titel: Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs um Leistungen oder Publikationen innerhalb der Wissenschaftsgemeinschaft ziehen manche Forschende es vor, ethisches Verhalten zu missachten und ein Fehlverhalten an den Tag zu legen, um schnell das zu erreichen, was sie sich schon ihre gesamte Laufbahn lang ersehnt haben – einen bestimmten akademischen Grad und Titel. Der Weg zurm Wissenschaftler oder Forscher ist ein langwieriger, der gefolgt wird durch eine weitere lange Periode hin zur Erreichung eines höheren Ziels wie einer bahnbrechenden Entdeckung. Dieser ganze Prozess ist so anstrengend und zeitaufwendig, dass manche, die sich einen Namen machen wollen, der Versuchung erliegen, ihre Ergebnisse zu fälschen oder die Lorbeeren für die Entdeckung anderer zu erhalten. Ein Ansehen, das auf einem Plagiat oder auf Fälschung beruht, kann aber nie allzu lange andauern, insbesondere nicht heutzutage, wo alles leicht überprüft werden kann.
  • Mangel an wissenschaftlichen Kenntnissen: Wissenschaftliches Arbeiten setzt bestimmte Kompetenzen und umfassende Fachkenntnisse voraus. Zudem besteht das Durchführen wissenschaftlicher Forschung aus mehreren Stufen wie Datensammlung, Datenanalyse und Schreibarbeit, was sich über Monate oder sogar Jahre erstrecken kann. Bei schlecht ausgebildeten Personen, denen es an den nötigen wissenschaftlichen Kenntnissen mangelt, ist es wahrscheinlicher, dass sie unbeabsichtigt und aus Nachlassigkeit ein Plagiat beziehungsweise wissenschafltiches Fehlverhalten begehen.
  • Publikationsdruck: Heutzutage gibt es eine beträchtliche Anzahl an Wissenschaftlern, die miteinander konkurrieren. Um in einer solchen Umgebung überleben zu können und dabei seine Karriere weiterzuverfolgen, muss man ständig aktiv sein. Der üblichste Weg, dies in der Wissenschaft zu tun, ist das häufige Veröffentlichen von Forschungsarbeiten und -artikeln. In vielen Fällen ist die Anzahl der Publikationen ein Hinweis für den Erfolg von Wissenschaftlern. Wie aber bereits erwähnt, kann das Verfassen einer solchen Arbeit beziehungsweise die Durchführung einer Studie viel Zeit in Anspruch nehmen, was wiederum einen großen Druck darstellt. Infolgedessen kann das Plagiat oder eine gefälschte Arbeit manchen Forschern als Mittel dienen, um mit den Kollegen zu konkurrieren und sich in der Wissenschaft  einen guten Ruf zu bewahren.

Plagiate und Fälschungen in der Wissenschaft sind ebenso inakzeptabel wie das Betrügen in anderen Bereichen. Was Plagiate und Fälschungen wahrscheinlich zu einigen der schlimmsten Formen wissenschaftlichen Fehlverhaltens macht, ist die Tatsache, dass sie sich gesellschaftlich schädlich erweisen können. Nachstehend werden wir fünf der schlimmsten Fälle von wissenschaftlichen Plagiaten und Fälschungen in der Geschichte und und jüngeren Vergangenheit skizzieren, um zu demonstrieren, wie wichtig akademische Integrität ist.

 

Fünf der schlimmsten Plagiatsfälle in der Geschichte

Plagiate mögen wie eine verruchte Handlung erscheinen, doch ziemlich viele haben sich über die Jahre eines Plagiats bei dem Verfassen von Büchern, Artikeln, Liedern oder Kunstwerken schuldig gemacht und tun es bis zum heutigen Tage. Noch überraschender ist, dass Wissenschaftler, Professoren und Forscher trotz der Verantwortung, die ihnen als Vorbildern für künftige Generationen zukommt, ebenfalls eines Plagiats beschuldigt worden sind. Die folgenden wissenschaftlichen Plagiatsfälle in der Geschichte und Gegenwart sollen die persönlichen Motive derjenigen, die sich eines wissenschaftlichen Fehlverhaltens schuldig gemacht haben oder eines solchen beschuldigt wurden, näher beleuchten.

  • Sir Richard Owen war ein berühmter englischer Biologe, Anatom und Paläantologe sowie Gründer des British Museum of Natural History. Owens Arbeit hatte einen großen Einfluss auf die Wissenschaft im 19. Jahrhundert. Von bahnbrechenden Entdeckungen in der Paläantologie mit Schwerpunkt auf Dinosauriern bis hin zu zahlreichen Publikationen zu Tierfossilien – Owen hat in der Tat seine Spuren in der Wissenschaftswelt als herausragender Naturforscher hinterlassen. Obwohl von der Queen zum Ritter geschlagen, war der britische Paläntologe eine ziemlich kontroverse Figur, da ihm vorgeworfen wurde, seine Karriere auf einem Plagiat gegründet zu haben, insofern er große Teile der Arbeit Gideon Mantells gestohlen haben soll, einem seinerzeit weiteren angesehenen Paläntologen. Abgesehen davon, dass er dessen Entdeckungen wie den Iguanodon, einer Dinosaurierart, gestohlen und mehrere Dinosaurierarten, die bereits von Mantell entdeckt worden waren, umbenannte, ignorierte Owen völlig einige wichtige Befunde über die Beschaffenheit der Dinosaurier. Mantell war der Überzeugung, dass der Iguanodon ein zweibeiniges Wesen war – eine Tatsache, die aktuellere Forschungen bestätigt haben –, während Owen darauf bestand, dass er vierfüßig war. Daraus geht hervor, dass ein Plagiat tatsächlich eine Gefahr für die Wissenschaft sein kann, insofern es das Verständnis von Menschen darüber, wie diese Arten tatsächlich aussahen, zurückversetzen kann. Was diesen Fall sogar noch schlimmer macht, ist, dass Owen seinen Status eines wohlhabendereren Mannes innerhalb der Royal Society dazu nutzte, um sicherzustellen, dass ein beträchtlicher Teil von Mantells Arbeiten nie der Öffentlichkeit präsentiert werden würde.

 

  • Die Sloan-Kettering-Affäre ereignete sich 1974, als William Summerlin, ein Dermatologe und Medizinforscher, einen berüchtigten Wissenschaftsbetrug im Bereich der Transplantationsimmunologie unternahm. Dieser stand in Verbindung mit seiner Behauptung, dass er eine Möglichkeit gefunden habe, die Haut von genetisch nicht verwandten Tieren zu transplantieren, was bedeutende Konsequenzen für die Medizin und Transplantationsforschung mit sich gebracht hätte, da dies Gewebetransplantationen zwischen zwei Patienten ohne Abstoßungsrisiko ermöglicht hätte. Die Affäre ist nach dem Krebszentrum Sloan-Kettering benannt, an dem Summerlin und dessen Team seinerzeit tätig waren. Im März 1974 wurde Summerlin dazu aufgefordert, seinen Fortschritt in einem Treffen mit seinem Betreuer Robert Good zu demonstrieren. Unglücklicherweise erlebten Summerlin und seine Mitarbeiter damals Schwierigkeiten mit den Ergebnissen ihrer Studien, weshalb Summerlin beschloss, hinsichtlich seiner Befunde zu lügen. Auf dem Weg zu diesem Treffen verwendete er einen Markierstift, um erfolgreiche Hautransplantate auf die Labormäuse einzuzeichnen, die er für das Experiment nutzte. Obwohl das Treffen gut verlief, insofern Good den Betrug nicht bemerkte, wurde Summerlin schließlich erwischt, als einer der Laborassistenten die Stellen mit Alkohol wegwusch und so Summerlins Betrug entlarvte. Anschließende Ermittlungen ergaben, dass Summerlin zudem sogar Daten aus einem anderen Experiment, das in demselben Zeitraum durchgeführt worden war, verfälscht hatte.

 

  • Die Gallo-Untersuchung ist eine sehr bekannte Kontroverse um die Isolation des AIDS-Virus. Der Fall handelt vom wissenschaftlichen Fehlverhalten Robert Gallos, einem amerikanischen Biomediziner, dem zu Unrecht die Entdeckung eines Virus zugeschrieben wurde, das tatsächlich von einem Team von Wissenschaftlern des französischen Pasteur-Instituts unter der Führung von Luc Montagnier isoliert worden war. Die Jahre 1983 und 1984 erwiesen sich für Gallos Team als schwierig, da sie in zwei Streitfälle hinsichtlich ihrer Leistungen in Bezug zu dem AIDS-Virus verwickelt waren. Im Juli und erneut im September 1983 schickte Luc Montagniers Team auf Wunsch von Gallo eine Probe des von ihnen entdeckten und mit dem Namen Lymphadenopathy Associated Virus (LAV) versehenen Virus ein, welches für die Ursache von AIDS gehalten wurde. Während manche behaupten, dass Gallo und sein Team den gleichen Virus, den sie HTLV-III nannten, zeitgleich mit der Entdeckung Montagniers entdeckten, gehen andere davon aus, dass Galllos Team die Zelllinien des LAV für ihre Entdeckung verwendeten, ohne anschließend Montagniers Team für seine Entdeckung anzuerkennen. Es hat zahlreiche Spekulationen darüber gegeben, welches Team als erstes den Virus entdeckte, und nach einer Reihe von Untersuchungen im Jahr 1986 wurden beide Namen durch den heute allgemein bekannten Namen HIV ersetzt. Auch wenn das National Institute of Health Gallos Team erstmalig im Jahr 1993 Mangel an Kollegialität vorwarf, wurden die Vorwürfe aus Mangel an Beweisen fallengelassen.

 

  • Der Baltimore-Fall, benannt nach David Baltimore, einem amerikanischen Mikrobiologen, der den Nobelpreis in Physiologie oder Medizin im Jahr 1975 erhielt, konzentrierte sich weniger auf Baltimore selbst als auf Thereza Imanishi-Kari, mit der er einen Artikel über Immunologie verfasste. Im Jahr 1986 äußerte sich einer von Terezas Kollegen, Margot O’Toole, besorgt über die Fälschung von Daten in Imanishi-Karis Artikel. Obwohl O’Toole ihren Einspruch fallen ließ, begann das National Institute of Health (NIH) mit einer Untersuchung des Falls und beschuldigte Imanishi-Kari im Jahr 1991 der Fälschung von Daten. Während der gesamten Untersuchung verteidigte Baltimore seinen Mitarbeiter entschieden, besuchte jedes Labor und sprach mit den Forschern, die sich hinsichtlich des Falls besorgt zeigten, persönlich. Sobald Imanishi-Kari für schuldig befunden wurde, entschuldigte sich Baltimore öffentlich für die Missachtung und mangelnde Berücksichtigung von O’Tooles Behauptungen während seiner eigenen Untersuchungen.
  • René Diekstra ist ein niederländischer Psychologe, Wissenschaftler und Autor mehrerer Psychologie-Bücher über Themen wie Selbstmord, geistige Gesundheit oder psychosoziale Störungen. Diekstra war ebenfalls Mitglied der Weltgesundheitsorganisation als Leiter des Programms “Psychosoziale und verhaltenstheoretische Aspekte von Gesundheit und Entwicklung der Weltgesundheit” sowie der Entwickler zahlreicher Programme über Politik und Wohlbefinden. Es ist schwer vorstellbar, dass jemand mit solch einem Hintergrund in Verbindung mit Vorwürfen eines wissenschaftlichen Plagiats steht, doch der im Jahr 1997 gegen ihn geführte Prozess deutete auf das Gegenteil hin. Diekstra wurde beschuldigt, gesamte Seiten, autobiografische Details, Dichtungen und Arbeiten seiner Kollegen, anderer Forscher und Autoren ohne Angabe übernommen zu haben. Als er um eine Erklärung gebeten wurde, lautete Diekstras einziger Kommentar, dass er seinem Verleger mitgeteilt hätte, dass einige Seiten nicht von ihm geschrieben worden seien, und behauptete, dass es wohl ein Missverstndnis zwischen den beiden gegegen haben müsse. Infolgedessen musste der Psychologe seine damalige Stelle an der Universität Leiden verlassen. Allerdings schien dies keine wertvolle Lehre für Diekstra gewesen zu sein, denn nur vier Jahre später wurde er erneut dabei erwischt, das Werk eines anderen Autors als sein eigenes auszugeben. Dieses Mal behauptete Diekstra, das Gedicht Zwischen Himmel und Erde geschrieben zu haben, welches er in einem Radiointerview mit dem Sender KRO vortrug.

 

Fünf der schlimmsten Plagiatsfälle der jüngeren Vergangenheit

  • Der Schön-Skandal handelt von Jan Hendrik Schön, einem deutschen Physiker, der an der Universität Konstanz in Physik der kondensierten Materie und Nanotechnologie seine Promotion abschloss. Im Jahr 1997 wurde Schön von Nokia Bell Labs angestellt, wo er an Elektronikgeräten arbeitete, in denen herkömmliche organische Materialien durch eine einzigartige Technik ersetzt wurden, die von den Forschern von Bells Lab entwickelt worden war. Während der Jahre, die er in Bell Labs verbrachte, veröfffentlichte Schön häufig wissenschaftliche Publikationen, und zwar so häufig, dass er im Jahr 2001 als Autor gelistet wurde, der im Durchschnitt alle acht Tage einen Forschungsartikel veröffentlicht. Seine Arbeit beschrieb einige seiner spektakulären Forschungsergebnisse beziehungsweise Erfindungen wie einen Transistor auf molekularer Ebene, welche einen bedeutenden Einfluss in der Elektronik gehabt hätten. Jedoch wurden einige seiner Kollegen sowie andere Physiker außerhalb von Schöns Arbeitsplatz sehr misstrauisch in Bezug auf seine Artikel, die ihnen zufolge starke Ähnlichkeiten mit den Werken anderer Autoren aufwiesen. Infolgedessen wurde ein Ausschuss ernannt, um Schöns Arbeit auf einen möglichen Wissenschaftsbetrug hin zu untersuchen. Erwartungsgemäß kam der Ausschuss zu dem Ergebnis, dass Schön in 16 von insgesamt 25 untersuchten Artikeln Wissenschaftsbetrug begangen hatte. Zu den Vorwürfen zählten eine unrealistische Genauigkeit sowie der Austausch von Daten. Obwohl Schön die Vorwürfe bestritt, indem er einfach erklärte, dass er einige der Daten versehentlich zweimal eingereicht hätte, wurde er von Bell Labs gefeuert und von der Universität offiziell dazu aufgefordert, seinen Doktorgrad zu widerrufen und seine Urkunde zurückzugeben. 
  • Andrew Wakefield war ein britischer Arzt, der später ein Anti-Impfungs-Aktivist wurde. Im Jahr 1998, während Wakefield noch als Gastroenterologe am Royal Free Hospital in London tätig war, veröffentlichte der damalige Arzt einen Artikel, in dem er behauptete, einen Zusammenhang zwischen dem Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff und Autismus gefunden zu haben. Die Studie, welche den Namen “Die Lancette” trug, wurde damals hoch angesehen und untergrub das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Impfstoff sowie ermutigte manche gewissermaßen dazu, der Immunisierung ihrer Kinder ablehnend gegenüberzustehen. In der Folge stieg die Anzahl der Fälle von Kindern in den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich und Irland, die mit Masern und Mumps infiziert wurden, deutlich an. Später wurde bestätigt, dass Wakefields Behauptungen, der Impfstoff verursache Autismus, bewusst gefälscht wurden, weil Wakefield plante, ein Unternehmen zu gründen, das von durch Gerichtsprozessen angetriebenen Untersuchungen profitieren sollte.

 

  • Hwang Woo-suk ist ein koreanischer Tierarzt und Forscher, der für schuldig befunden wurde, im Jahr 2006 eine Reihe von Experimenten gefälscht zu haben. Bis zu dem Vorfall galt Woo als einer der wegweisenden Experten in der Stammzellenforschung. Aufgrund seines Erfolges in der Erzeugung menschlicher embryonaler Stammzellen durch Klonen wurde er sogar zu einer der einflussreichsten 100 Menschen nominiert. Woo veröffentlichte seine Ergebnisse in zwei Artikeln in der Fachzeitschrift Science, in denen er behauptete, dass sein Team elf individuelle Stammzelllinien geschaffen habe – eine Entdeckung, die eine große Bedeutung für die Medizin hatte, insofern es nun anscheinend für Patienten möglich war, individuelle Behandlungen mit eigenen Stammzellen erhalten zu können. Diese Entdeckungen wurde jedoch von Hwang selbst gefälscht, und ihm wurde darüber hinaus vorgeworfen, illegal menschliche Eier für seine Forschungen erworben zu haben. Infolgedessen verlor Hwang seine damalige Stelle als Direktor des World Stem Cell Hub. Überdies erhielt er eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren auf Bewährung, da er des Betrugs und der Veruntreuung für schuldig befunden wurde.

 

  • Joachim Boldt ist ein deutscher Anästhesist, der in einer der größten Medizinforschungsskandale in Deutschland verwickelt war. Vor dem Skandal war Boldt ein promimenter Anästhesist, der international für seinen Ruf als Forscher bekannt war. Seine damaligen Auffassungen befürworteten nachdrücklich die Verwendung von Kolloiden und insbesondere Hydroxyethylstärke-Lösungen, die das Blutvolumen von Patienten während Operationen erhöhen sollten. Seit 1999 hatte Boldt zahlreiche wissenschaftliche Artikel veröffentlicht, die nach 2009 Gegenstand von Ermittlungen wurden, als eine seiner Forschungsarbeiten in der Fachzeitschrift Anesthesia & Analgesia veröffentlicht worden waren. Nur zwei Wochen nach den Veröffentlichungen berichtete ein verstörter Leser dem Chefredakteur der Zeitschrift über die von Boldt beschriebenen verwirrenden Befunde. Nach der Durchführung einer Untersuchung wurde Boldt vorgeworfen, 90 von 102 Studien, die von ihm in unterschiedlichen Zeitschriften veröffentlicht wurden, gefälscht zu haben. Es wird angenommen, dass einige von Boldts trügerischen Studien das Leben schwerstkranker Patienten aufs Spiel setzten, weshalb bis zum Jahr 2017 96 seiner Artikel zurückgezogen wurden. 2011 verlor Joachim Boldt seine Stellung als Professor an der Universität Gießen.

 

  • Enorme Plagiatsfälle ereigneten sich in Südkorea im Jahr 2015. Das Land war in einen massiven Plagiatsskandal infolge von Urheberrechtsverletzungen von fast 200 Professoren an 50 Hochschulen verwickelt. Die Betroffenen wurden strafrechtlich verfolgt, nachdem sie Bücher, die ursprünglich von anderen Autoren geschrieben worden waren, unter ihren Namen neu veröffentlicht hatten. Neben den Professoren wurden auch vier Mitarbeiter eines Verlags für den Betrug zur Verantwortung gezogen. Bei der Befragung der Beschuldigten erklärten sie, dass ihr primäres Motiv darin bestanden hatte, ihre akademische Stellung und ihre Karrieren voranzutreiben. Die Verleger brachten es ihrerseits zustande, nicht-verkaufte Exemplare der betreffenden Bücher abzusetzen. Auch die ursprünglichen Autoren waren darin verwickelt, insofern sie der Neuveröffentlichung der Bücher zustimmten in der Hoffnung, in Zukunft bessere Deals von den Verlegern zu erhalten.

 

Gibt es für die Wissenschaft eine ehrliche Zukunft?

Wissenschaft hat sich zu einer Multi-Milliarden-Industrie entwickelt, in der Forschende um Ansehen konkurrieren und Interessenkonflikte bestehen, die sich oft um Geld drehen. Wie aus den oben diskutierten Beispielen hervorgeht, haben zahlreiche Wissenschaftler ihre Ergebnisse gefälscht. In manchen Fällen, wie dem von Andrew Wakefield oder Joachim Boldt, ergaben sich ernsthafte gesellschaftliche Konsequenzen. Es scheint so, als ob häufig der Wunsch nach Erfolg und einer guten Reputation größer ist als die Sorge um die schlimmen Folgen, die wissenschaftliches Fehlverhalten für die Wissenschaft und Gesellschaft mit sich bringen kann.

Andererseits geht aus einer Statistik, die 2017 in einem Pacific-Standard-Artikel von Michael White, einem Assistenz-Professor für Genetik, veröffenticht wurde, hervor, dass die Zahl der trügerischen Wissenschaftsbeiträge deutlich geringer ist, etwas mehr als 1000 von über 21 Millionen veröffentlichten Beiträgen seit 1973. Hinzu kommt, dass es angesichts der technologischen Entwicklung und medialen Aufmerksamkeit schwieriger für Wissenschaftler geworden ist, Forschungen zu plagiieren. Aufgrund fortgeschrittener Plagiatserkennungssoftware und der großen Bandbreite an bestehenden Publikationen wäre es für gefälschte Forschungen und Entdeckungen recht schwierig, in der Öffentlichkeit zu überleben. Vor diesem Hintergrund besteht Hoffnung auf eine ehrliche Zukunft in der Wissenschaft.


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